Türgespräche zum Feierabend – Mein erstes Verhör


Aus der Kategorie „Kurios“ heute Abend vor meiner Haustür.

Text in […] spiegeln meine Gedanken just in dem Moment dar.

Das Auto abgeparkt, schlenderte ich die letzten Meter bis zur Haustür die Strasse entlang. Als ich die Pforte öffnete, bemerkte ich zwei Polizisten vor der Haustür stehen, einer gebückt und lesend an den Türklingeln, der Andere in der gleichen lustigen Haltung auf der Briefkastenseite. Ich näherte mich, doch bemerkt schienen die Jungs mich nicht zu haben. Da sie mir den Weg zur Tür versperrten, blieb ich also stehen und begrüßte Sie mit einem freundlichen „N’am’d!“

Langsam drehten sich beide zu mir um und musterten mich. Ich blieb regungslos stehen. Statt eines Guten Abend oder ähnlichem zurück begann der rechtsstehende Polizist zu sprechen und sagte: „Wohnen Sie hier?“ [Ich hatte einen Haustürschlüssel sichtbar in der Hand und war bereit, in auch in das Schloss einzuführen. Was soll denn die Frage? Mir lag ein „Ne, ich breche ein. Mit Schlüssel“, auf der Zunge.] „Ja“, war dann aber doch meine korrekte Antwort. 10 Sekunden schweigen. Der Eine schaute auf einen Notizblock, der Andere mich an.

„Und wie ist Ihr Name?“ „Müller.“ Der Rechte drehte sich wieder um und schaute auf die Briefkästen, kam wieder hoch und nickte dem Anderen zu. Ich fragte mich was die Geste soll. Meint er ich denke mir jetzt einen Namen aus, der da nicht dran steht? Mir wurde das etwas zu blöd und ich fragte, ob sie denn zu mir wollen. Die Antwort: „Uns ist eine Beschwerde eingegangen, Herr…ähm…Herr…“ [Ja, sich den Namen Müller merken erscheint in der Tat schwierig, gehört er doch wie Meyer, Schröder oder Schmidt zu der Gattung der seltenen und schweren Nachnamen in der Bundesrepublik.] „Müller…“ ergänzte ich ihn. „…eine Beschwerde eingegangen, Herr Müller.“

Wieder schweigen. Beide schauten mich an. Der Lärm der Hauptstraße unterbrach die Stille. Ich wurde stutzig. Dies war der Moment, wo ich die beiden Experten ‚Wum und Wendelin‘ taufte. Ich fragte mich, ob ich nicht lieber die Befragung durchführen sollte. Eine Beschwerde. Worüber? Von wem? Gegen wen, mich? Man weiß es nicht. Also begann ich mein eigenes Verhör.

„Oh“, gab ich mit Verwunderung zu erkennen, „eine Beschwerde? Von wem denn?“ „Die Mieterin möchte nicht genannt werden“, sagte der Linke. Ich dachte schon er wäre stumm. Seine Stimme war tief und rauchig, ich stellte mir vor wie er nach Feierabend mit einem senfbekleckerten Unterhemd und Bierdose im TV-Sessel sitzt. Dies war also Wendelin.

Und Wendelin war nicht sonderlich schlau. In diesem Haus sind acht Mietparteien. Alles Menschen die alleine Leben und davon sind es nur drei Frauen. „Die Mieterin“- wie er sagte, schließt den Kreis der Verdächtigen enorm ein. Aber egal. Langsam fingen die beiden Respektpersonen an, mich zu amüsieren. Viel wichtiger waren aber meine nächsten Fragen: „Aber warum wird sich denn gegen mich beschwert und warum trat man nicht erst an mich heran?“ fragte ich mit einer gespielten Neugier und bezog die Anklage bewusst erstmal auf mich, denn einer Schuld war ich mir nicht bewusst – bin ich doch kaum zu Hause?! Natürlich kam meine erwartete Antwort, dass die Beschwerde nicht gegen mich gehe, sondern gegen Unbekannt. AHA!

Meine nächste Frage beantworteten die beiden Spürhunde gleich mit, ohne dass ich sie stellen musste. In letzter Zeit seien hier vermehrt fremde Personen im Haus beobachtet worden [Ja, äh…ich bekomme auch mal Besuch, und meine Nachbarn sicher auch?!]. Dies zwar viel am Wochenende […bin ich nie da, wie ich es sie etwas später wissen ließ…], aber auch in der Woche. Häufig nachts. [Schlafe ich]. Ich setzte meine Fragestunde fort und wollte wissen, warum sich denn genau beschwert wird. Schließlich können wir im Haus empfangen wen wir wollen.

Diese Personen, wohl mittlerer Altersgruppe [ja…äh…wo fängt die an und wo hört die auf? Ist das definiert bei den Schutzmännern? Bin ich, 31 Jahre jung/alt, aussehend wie fluffige 25, auch in diesem Raster??], wären stets laut, randalieren im Hausflur, klingeln und klopfen nachts an den Türen und benehmen sich unsittlich. […unsittlich. Ja mein Nachbar hat oft seine Freundin zu Besuch und die benehmen sich oft „unsittlich“, hörbar! Aber nicht im Hausflur, dass habe ich schon überprüft. Gott ich hätte Polizist werden sollen! Hätte ich wohl einen Wum oder Wendelin als Partner gehabt? Egal, ich hörte weiter zu.] Weiterhin, so fuhr der rauchige Wachtmeister fort, sei wohl Post aus den Briefkästen gestohlen worden. [TOLL! Warum klaut man mir nicht mal meine Rechnungen?????]

„Haben Sie oder Ihre Freundin etwas bemerkt, Herr…äh, Müller?“ [Ich sollte mich in Blaszczykowski umtaufen, den würde er sich gaaaanz bestimmt merken können…] Was sind das nur für Experten. Sagte ich nicht, hier wohnen acht Personen – in ACHT Wohnungen? „Nein, habe ich nicht. Ich wohne auch ganz oben, bei mir kommt nur einer vorbei, wenn er zum Dachboden will.“ Auf die Freundin ging ich gar nicht ein. Aber Ihr ahnt es sicher schon: „Und Ihre Freundin, hat die was bemerkt?“ ………………..

[Ehrlich…hört ihr nicht zu??? Ich sagte doch, ich wohne ganz oben, da kommt keiner vorbei. Und selbst wenn ich eine Freundin hätte…die würde doch das Gleiche sagen!! Und außerdem, ist Euch vlt. aufgefallen, dass nur EIN Name auf meiner Klingel und auf dem Briefkasten steht? Solltet Ihr nicht lieber nach meiner FRAU fragen, wenn ihr denkt, dass ich schmucke Sahneschnitte in festen Händen wäre????]

Gelassen, mit einem zynischen Lächeln, ich so: „Bin Single.“ [unfuckingfassbar!]

Ich versuchte mittlerweile zu erörtern, ob die beiden für „guter Cop – böser Cop“ geeignet wären. Wohl nicht. Ich blieb bei der Contra-Seite stecken. Wum wollte gerade Luft holen und was sagen – oder war es Wendelin? Ich verlor schon selbst die Übersicht. Aber noch war ich Herr der Lage und kam – ich sage mal Wum, zuvor: „Mir ist nichts aufgefallen. Ich bekomme selten Post, aber meine Rechnungen sind alle da. Ich schlafe auch ziemlich fest, ich habe nichts an meiner Tür gehört, auch Randalespuren, wie Sie sagten, habe ich nicht gesehen.“ Kurzes Schweigen. Meine Chance für die nächste Frage! „Gibt es denn schon Anhaltspunkte?“ (Ich sagte irgendein anderes Wort, aber das will mir nicht mehr einfallen) „Beschreibungen der Personen?“ Gedanklich saß ich am Tisch, die beiden vor mir, ich bei frisch gebrühtem Kaffee, die beiden schwitzend, denn ich bin guter und böser Cop in einem Körperfell. Wendelin antwortete mir mit einem nein. Es sei auch nicht klar, in welchem Stock sich diese Personen aufhalten. Ich kombinierte: Zwei der drei Frauen im Haus wohnen ganz unten. Da dort alle vorbei müssen, wird logischerweise eine der beiden diejenige mit der Beschwerde sein. Die Dame zur rechten ist über 60 Jahre alt, verraucht und wacklig auf den Beinen mit einem kläffenden Köter. Die Dame rechts Mitte 20, denke ich, studiert und ist bald weniger zu Hause als ich selbst.

So, ich habe meinen Fall gelöst und mir war schon mal klar, wer mir hier die beiden Blitzbirnen auf den Hals gehetzt hat. Zum Schluss gab es noch ein bisschen Smalltalk, Augen aufhalten blah bla und mich melden blah blah wenn mir oder meiner Freundin was auffällt blah blah! STOPP! Meiner Freun…???? Ach kommt Jungs, vergesst es. „Ja mache ich“.

Ich beendete das Verhör und entließ die beiden in Ihren wohlverdienten Feierabend! 🙂

(Doch wo sich das Gesindel immer zusammenfindet, bleibt ungeklärt.)

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2 Antworten zu Türgespräche zum Feierabend – Mein erstes Verhör

  1. ninjaan schreibt:

    Super beschrieben, habe herzlich gelacht heute Morgen, vielen Dank dafür Herr…ähm M. ! 😉

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