Die Sprengfalle


Nein, es geht nicht um Krieg, nicht um Terrorismus oder Attentate und auch nicht um Anschläge, bei dem man um sein Leben fürchten muss. Es geht um etwas viel Schlimmeres: Deutschlands Autofahrer. Also um einen Teil davon.

Im Grunde genommen beschäftigen wir uns heute mit einer kurzen Asphaltstrecke – dem Beschleunigungsstreifen. Jeder kennt ihn, jeder mit Führerschein (oder auch ohne) hat ihn schon mal befahren, oder zumindest gesehen und weiss, was gemeint ist. Das Problem ist die Bedeutung dieser so genannten Einfädelungsspur, denn diese ist, wie ich und sicher auch ihr schon beobachten durftet, nicht jedem bewusst. Was man daran nicht begreifen oder verstehen will, was alles passieren oder schief gehen kann und wie sich gefährliches Fehlverhalten darstellt, möchte ich mal näher beleuchten.

Ein Beschleunigungsstreifen ist eine tolle Erfindung, nicht wahr? In der Regel ist dieser in Deutschland bei Schnellstraßen und Bundesautobahnen ca. 250 Meter lang. Diese effiziente Zusatzspur soll allen dabei helfen, uns mit angepasster Geschwindigkeit in den fließenden Verkehr einzuordnen. Warum? Damit wir nicht zu einem plötzlichen Hindernis und Gefahrenpunkt werden, besonders auf Autobahnen. Klingt logisch. Innerorts ist diese „Auffahrt“ in der Regel deutlich kürzer, da wir uns vorzugsweise nicht im dreistelligen km/h Bereich in der Stadt fortbewegen.

Doch für einige kraftfahrzeugsteuernde Mitbürger ist dieser viertel Kilometer völlig uninteressant, dem keine Beachtung geschenkt wird und dem der Nutzen gänzlich unklar ist. Nachdem man nun also die Auffahrt herunter kommt, an dem sich die berühmten 250 Meter anschließen, können wir verschiedenes beobachten:

Meine Lieblingsautofahrer sind die Spontanen, welche direkt nach 30-50 Metern auf die rechte Fahrbahn rüberziehen, ohne auch nur Ansatzweise einmal das Gaspedal in seiner Funktion „strapaziert“ zu haben. Wenn man sich auf der Autobahn befindet und nicht nach links ausweichen kann um Platz zum einfädeln zu geben, kommt natürlich Freude auf, wenn man nicht nur vom Gas gehen muss, sondern direkt stark in die Bremse treten darf, weil wahnwitzige Menschen denken, sich mit 60km/h auf eine Schnellstrasse einordnen zu müssen. Freude kommt dann auch bei mir auf, wenn ich hinter dem einschlafenden Fahrzeug fahre und ebenfalls gezwungen bin, zum Hindernis zu werden.

Neben den spontanen Fahrern gibt es noch die Ausdauernden. Diese zeichnen sich dadurch aus, den Streifen über die volle Distanz zu nutzen und wechseln erst zum Ende auf die Fahrbahn. Die Tatsache ist löblich, jedoch vermisst man auch hier die Geschwindigkeit zu erhöhen. So dackeln wir dahinter brav mit knapp 70 km/h hinterher und freuen uns auf ein riskantes einfädeln. Diese Methode ist sehr gängig und weit verbreitet.

Kommen wir zu Klassiker, dem Zögerlichen. Dieser Mitstreiter im Strassenverkehr hat eine gepflegte Phobie vor einem LKW. Groß, laut und donnernd nähert sich dieses Ungetüm auf der rechten Fahrbahn, während er sich auf den 250 Metern des Friedens befindet. Natürlich bekommt der Fahrer Angst und zögert, auf das Gaspedal zu treten. Mit gemütlicher Geschwindigkeit nähern wir uns dem markierten Ende des Beschleunigungsstreifen. Wie bei den beiden Vorgängern ist jedoch von einer Beschleunigung keine Spur. In diesem Moment geht der Person nur folgendes durch den Kopf: „Das schaffe ich nicht, das kann ich nie und nimmer schaffen, der LKW ist zu schnell, es rast förmlich!“ Und nun tut er das, was man nicht für möglich hält: Er bremst. Er bremst auf einer Spur, die zum beschleunigen gedacht ist. Unsereins kommt mit 80 Sachen die Auffahrt runter und findet ein Fahrzeug vor sich, welches mit 60, 50, 40 fast zum Stehen kommt, um den LKW (oder andere Fahrzeuge) passieren zu lassen. Dann wird – ist doch logisch – mit Tempo 40 die Autobahn befahren.

Warum tut er das? Diese Frage habe ich versucht zu ergründen. Am Ende dieser Behelfsspur steht etwa keine Mauer, in die wir reinkrachen könnten, sollte die Länge nicht ausreichen. Nein. Lediglich eine durchgezogene Fahrbahnmarkierung weist uns darauf hin, hier soll nun Ende sein, füge dich spätestens hier in den Verkehr ein. Im Regelfall sollten wir diese Markierung nicht überfahren, sie verliere sonst ihren Sinn. Scheint es aber dennoch nicht dramatisch, schliesst sich doch zumeist ein Standstreifen nahtlos dahinter an. (Außer ihr wohnt wie ich im Kreis Bad Segeberg und habt die A21 vor der Haustür, da existiert mal kein Standstreifen, also Vorsicht vor den oben genannten Tätern.)

So würde ich es nicht als dramatisch ansehen, einige Meter der äußeren Fahrbahn mit zu nutzen, sollte der Weg mal nicht reichen. Scheinbar gelte ich – mit Ausnahme noch einiger anderen – als Gesetzloser, denn Bremsen scheint die logische Alternative. Vermutlich wissen die Zögerlichen mehr als ich und so liegt der Schluss nahe: Überfahrt niemals das markierte Ende eines 250 m langen Beschleunigungsstreifens, denn am Ende wartet eine Sprengfalle!

Gute Fahrt.

am

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2014 abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s